Traumvelo unterwegs

Traumvelo ist aus Leidenschaft zum Fahrrad entstanden. Auch nach 15 Jahren professioneller Beschäftigung mit jeder Art des Radfahrens leben wir diese Leidenschaft wann immer es uns möglich ist. Wir testen alle unsere Räder persönlich auf Touren, Kurztrips oder Reisen. Wir besuchen Messen, Schulungen oder Hersteller und nehmen an Treffen und Radrennen Teil. Sehen Sie hier einen Teil unseres ganz persönlichen Radlerlebens und lassen Sie sich inspirieren.

 

1. Mai 2015: Retro statt Maßkrug

Eigentlich gibt es in Oberbayern keine Diskussion, was am 1. Mai passiert: Irgendwo in den Nachbarorten gibt es immer einen Maibaum, der Richtung Himmel strebt. Also rein in d´Lederhosen, Haferlschua und kariertes Hemd und no vorm zwölfe Leutn stäht de erste Maß auf´m Tisch. Aber dieser erste Mai mit massivem Dauerregen und 11 Grad will uns so gar nicht zum kühlen Gerstensaft locken. Macht ja nix, denn Arbeit gibt es genug und daher will ich die Zeit sinnvoll nutzen und endich mal ein paar Dinge im Büro erledigen. Zwei Stunden geht das gut. Ich muß mich bewegen, aber hmm, es regnet immer noch. Na gut, dann nehm ich doch einfach meine Speedmachine light und kurble genussvoll im Liegen durch den Mairegen. Gesagt getan und alles vorbereitet. Reifen nochmal nachgepumpt und raus in die Nässe. Mensch, schön steht sie da, meine edle Speedmachine. Ganz frisch geputzt und gepflegt glänzt das polierte Alu im Neonlicht der Werkstatt. Echt jetzt, alles komplett einsauen wegen einer kleinen Tour, die man eigentlich auch sein lassen könnte ? Räder gäb´s doch noch genug im Stall, da ist doch sicher auch irgendwas dabei mit etwas mehr Dreck dran und weniger frisch aufpoliert ? Irgendwie alles fein geputzt , wie sich das halt gehört für einen Profi. Bleibt nur noch...mein Alltagsroß. Der ein oder andere Besucher hat das Rad schon im Laden stehen sehen und sich gefragt, was das gut patinierte alte Eisen unter all den feinen Neurädern zu suchen hat. Ganz einfach, es ist mein eigenes, 23 Jahre altes Epple Cross X SL, das mir für die innerörtlichen Fahrten immer noch gute Dienste leistet. 10 Jahre lang habe ich es nicht über´s Herz gebracht, damit den Alteisencontainer zu füllen. Vor 3 Jahren hab ich in einem winterlichen Anfall von Schrauberlust das Rad bis auf den nackten Rahmen zerpflückt und mit diversen, noch übrigen Teilen aus der Grabbelkiste bestückt. Schliesslich hatte ich es mir 1993 von meinem allerersten Gehalt als Angestellter für 2000 D-Mark gekauft. Das kann man nicht einfach so entsorgen. Damals war´s up to date, teuer und mit edlem Mannesmann 25CroMo4 koniatube Stahlrahmen vorn dabei. Jetzt mussten da neuere Teile dran, weshalb von der ursprünglichen Ausstattung nicht mehr viel übrig blieb. Vorne werkelt nun ein dicker, älterer SON Nabendynamo, hinten eine übriggebliebene DT Swiss Nabe, V-Brakes statt Cantilever, 2 unterschiedliche Bremshebel- waren halt gerade rumgelegen, Brezellenker weg, was sportlicheres dran, Aus 3x7 wird eine 3x9 Schaltung, Schutzbleche, Beleuchtung und Leichtbauträger von Tubus. Nur der alte Seitenständer samt Anhängerkupplung von Weber tut´s immer noch. Qualität zahlt sich halt doch aus. Na dann, Speedmachine bleibt sauber und ich begebe micht stattdessen für ein paar Stunden auf Retro Tour. Mal sehen, ob moderne Stahlräder wie unsere Patrias mehr können, als Räder gleicher Bauart vor einem viertel Jahrhundert.
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Da steht sie und glänzt mich an. Aber dieses mal bleibt das feine Stück sauber und ich begebe mich auf Retro Tour mit meinem alten Stahlrad

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Alt gegen neu. Links mein altes Epple, rechts ein auf mich massgefertigtes Patria Helios modernster Ausprägung. 

Der Rest der Story ist schnell erzählt, denn natürlich war ein sauber gebauter Stahlrahmen schon immer eine gute Entscheidung. Einzig die Geometrie ist nicht ganz perfekt für mich. Der Rahmen ist etwas zu kurz. Das ist ein häufiges Problem von Rädern von der Stange, auch heute noch. Da passt mir das massgefertigte Patria Helios schon etwas besser. Aber sonst, alles perfekt. Rennt wie eine Eins mein Youngtimer und ich bin froh, dem Rad ein zweites Leben spendiert zu haben und nichts fühlt sich so an, als wäre es von der Geschichte überholt worden. Und die Freude, durch frischen Mairegen zu radeln auf leeren Strassen wird sowieso immer das gleiche Hochgefühl bleiben.

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Ein Rest aus vergangenen Tagen: Anfangs hiess TRAUMVELO noch mbf- muskelbetriebene Fahrzeuge. Ein klein wenig Veränderung hat´s also doch gegeben.

Bei meiner fröhlichen Rückkehr und der folgenden kurzen Fotosession gab´s dann noch eine kleine Überraschung beim Abfotografieren des Rahmenlabels. War mir doch glatt völlig entgangen, daß ich schon seit vielen Jahren auf einem von Patria gefertigten Rahmen unterwegs bin. Na, da passt es doch doppelt, daß wir uns seit 3 Jahren intensiv mit Patria Rädern beschäftigen.

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Wer hätte das gedacht, mein alter Begleiter hat ein handgebautes Herzstück von Patria

Und was ist jetzt die wichtigste Erkenntnis aus dem Ganzen, ausser daß ein gut gebauter Stahlrahmen zeitlos ist ? Rauf auf´s Rad, denn Radfahren macht glücklich !

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SPEZI- Spezialradmesse 2015

Und wieder ein Jahr rum. Also auf nach Germersheim zur Spezialradmesse. Da eh alle Hersteller der Szene vor Ort sind, können wir uns dort als Aussteller auf unsere Bikeflags konzentrieren und präsentieren selbige auf einem Stand im Aussengelände. Immer auf´s Erneute sind wir erstaunt, wieviele Hersteller und auch Kunden von uns dort anzutreffen sind. Bitte verzeiht, wenn wir im Trubel nicht jeden sofort identifizieren können. Aber seid sicher, wir freuen uns immer, fern der Heimat soviele fröhliche Gesichter zu treffen. Was soll man zur Messe noch gross sagen: Super organisiert, alles da und wie immer positive, entspannte Stimmung. Für uns ist diese Messe natürlich auch die Gelegenheit, möglichst viele unserer Hersteller persönlich zu treffen. Daher gibt´s dieses mal keine Fahrradbilder, sondern mal ein paar Gesichter, die hinter diversen Fahrradmarken stehen.


Besuch beim BVA Verlag/Redaktion aktivRadfahren

 Die Zeitschrift aktivRadfahren bringt im März einen grossen Liegedreirad Test. Da der Sitz der Redaktion und des Testteams in Ismaning nicht weit von uns entfernt ist, wurden wir von Icletta/ICE und AZUB gebeten, entsprechende Testräder fahrfertig zu machen und in die Redaktion zu bringen. Eine gute Gelegenheit , sich mal anzusehen, wie es denn da so aussieht. Erstmal nix Spektakuläres, was will man auch erwarten. Schönes, grosszügiges Büro mit den Redaktionsräumen, Meetingraum, Kaffeemaschine, was man halt so braucht, um interessante Berichte zu schreiben. Übrigens lauter nette Leute da und entspannte Atmosphäre. Aber was den Radlfan wirklich interessiert, sind ja Fahrräder und nicht Büros mit Computern. Und Räder gibt´s im Keller. Dort stehen all die Testbikes, die man dann in den Berichten finden kann. Natürlich alles dabei, ein bunter Zoo aus E-Bikes, Trekkingrädern, MTBs, Fatbikes. Fabrikneu glänzend und in Bestform soeben von den Herstellern angelieferte Neuheiten, aber auch augenscheinlich nicht nur in homöopathischen Dosen hergerittene Zweiräder. Und ja, da stehen auch einige Trikes im Testpulk: ICE, HP Velotechnik, AZUB, Hase, Cattrike...alles da, was zur Szene gehört. Ich wüsste nicht, daß schon einmal irgendein Magazin je so einen grossen Triketest herausgebracht hätte und bin natürlich schon auf das Ergebnis gespannt. Der Redaktionsmitarbeiter und für diesen Test Verantwortliche Jens Kockerbeck nimmt sich viel Zeit für unsere angelieferten Räder und lässt sich von mir dazu alle Besonderheiten ausführlich erklären, was mir das Gefühl gibt, daß man schon etwas genauer hinschaut und durchaus gewillt ist, die feinen Unterschiede zu ergründen. Ich darf noch ein paar Bilder machen (ohne Geheimnisse preiszugeben) und nach einem netten Ratsch bei einem Kaffee geht´s nach 2 Stunden wieder zurück in den Laden. Freu mich schon auf den Testbericht, der das Thema Liegedreirad sicherlich wieder ein Stück weiter in den Fokus des "Jedermannradfahrers" bringen wird und bedanke mich für den kleinen Einblick.

 

ICE Polartrike bei TRAUMVELO, September 2014

Kirk Seiffert von Icletta war vor 3 Wochen mit dem original ICE Südpol Trike bei uns. Damit hat die Britin Maria Leijerstam im Frühjahr 2014 als erster Mensch überhaupt per Rad den Südpol erreicht. Schneller als jede andere Expedition davor und auch schneller als parallel gestartete Männerteams auf Zweirädern. Das einzigartige Rad wird in der aktiv Radfahren von Okt. 2014 vorgestellt. Dieser Artikel samt Bildern ist bei der Gelegenheit entstanden, wofür ich eine nette Fotolocation gefunden habe. Ich habe dort hpts. fotografiert (die Actionbilder in der aR sind daher von mir), konnte aber auch selbst ausreichend Runden drehen. Ich möchte mich nochmal sehr bei Kirk für dieses extrem exklusive Erlebnis bedanken, zumal das Rad wieder zurück zu Maria Leijerstam ging und somit nicht mehr für weitere Probefahrten zur Verfügung steht.
"Das ist fett Mann" ist wohl die beste Beschreibung beim ersten Anblick und der Sitzprobe. Man kann gar nicht anders, als da hinzusehen. Für alle Poser jedenfalls das Gerät der Wahl. Auch die Testfahrt auf gutem Untergrund unterstreicht die emotionale Seite des Fahrerlebnisses: Rundum fette, kreiselnde Walzen und eine surrende Surroundbeschallung erster Güte. Ich muß grinsen. Anders als erwartet, kommt man aber doch recht flott und wie auf Wolken schwebend voran. Sinnvoll ist das allerdings in etwa so wie ein 6 Liter Chevy Pickup in der Stadt. Abr isch cool man...
Also ab in die Kiesgrube zum Test auf Herz und Nieren. Hier ist der Fatty schon eher daheim und weckt sofort den Spieltrieb erwachsener Kinder. Vor allem Kirk hat sichtlich Spaß und ist nicht zu stoppen. Um bei den Fakten zu bleiben: Das meiste hätte ich auch auf dem MTB geschafft (gut, ich bin da recht fit was schwieriges Gelände angeht), aber das Trike ermöglicht es jedermann spielerisch ohne Trial Künste durchs Gelände zu krabbeln. Man kann einfach wühlen bis nix mehr geht ohne Gefahr, sich ordentlich abzumaulen. Hat man einen Strand, viel Schnee im Winter oder Unternehmungen gröberer Natur in Aussicht, zeigt sich das Fattrike durchaus als sinnvoller Begleiter. Um das zu nutzen, ist eine seeehr kurze Übersetzung ein Muß (am Polartrike durch ein Zwischengetriebe verwirklicht), dann kann man klettern, bis das Hinterrad durchdreht. Wir haben das Rad nicht wirklich geschont, es hat trotzdem alles weggesteckt. Besonders die Reifen haben viel aushalten müssen, man mag gar nicht hinsehen, wie sie walken und Falten werfen bei niedrigem Luftdruck...
Viel Emotion, viel Männerspielzeug aber durchaus auch Potenzial für echten Mehrwert in bestimmten Einsatzbereichen würde ich mal zusammenfassen. Scheinbar stehen viele gerade drauf, wie die Explosion der MTB Fatbikeszene zeigt. Ob das in der etwas verkopften Liegeradwelt auch funktioniert, wird spannend zu beobachten sein. Denn ICE hat angekündigt, das Rad etwas abgewandelt in Serie zu produzieren. Übrigens sehe ich durchaus auch Sinn im Reha Einsatz bei Leuten, die tunlichst vermeiden müssen, sich irgendwo festzufahren, weil sie selbst nur schwer aufstehen oder schieben können. Hier die Bilder:

 

SPEZI-Die Spezialradmesse 2014

Auch dieses letzte Wochenende im April waren wir wieder dort, wo man als Händler für besondere Räder einfach hin muss: In Germersheim auf der SPEZI. Wir hatten wieder einen kleinen Stand vor der Halle, um unsere Bikeflags anzubieten. Inzwischen sieht man unsere Fahne überall um die Messe an den dort abgestellten Liegerädern, was uns zugegebenermassen schon etwas stolz macht. Wir konnten wieder viele neue Kunden gewinnen und auch neue Händler aus Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich begrüssen. Natürlich nutzen wir die Messe auch die vollen 2 Tage als Szenetreff für Insidergespräche und drehen selbst unsere Runden, um nach interessanten Neuheiten zu suchen. Hier noch einige Bilder:

Messe free in München, April 2014

Zum 8. mal waren wir als Aussteller auf der free zu Gast. Schliesslich ist diese grosse Freizeitmesse sowas wie ein Heimspiel vor der Haustür für uns. Nur letztes Jahr hatten wir uns eine Pause gegönnt, weil wir mit der Ausrichtung der Fahrradsparte nicht ganz so zufrieden waren. Allerdings darf man hier dem free Team der Messe München ein dickes Kompliment machen: Sie haben die Kritik ernst genommen und zum Ausstellermeeting im Vorfeld eingeladen, das wir zusammen mit 8 anderen Ausstellern aus der Fahrradszene genutzt haben, um zusammen mit der Messe neue Ansätze zu erarbeiten. Und es ist tatsächlich viel geschehen. Nun hat die Fahrradszene eine eigene komplette Halle, die Spezialräder haben auf unseren Wunsch hin einen eigenen Parcour erhalten, mit Danny Mc Askill hat man DEN Superstar der Trial Szene engagiert und auch drumrum hat sich einiges gebessert. Zusammen mit Hasebikes, Icletta (ICE), Flux und HP Velotechnik als Gäste an unserem Stand, hatten wir fröhliche und gut besuchte Messetage. Besonders freut es uns natürlich, immer wieder viele bekannte Gesichter begrüssen zu können. Bitte habt Verständnis, wenn wir nicht jeden Kunden aus dem Laden sofort wieder erkennen. Rund 100.000 Besucher und 5 volle Tage mit Gesprächen fordern unsere Aufnahmefähigkeit enorm. Ausdrücklich bedanken möchten wir uns auch bei unseren Herstellern am Stand, die uns immer wieder großzügig unterstützen.

Mit Wohnmobil und Falträdern durch Italien- Sept. 2013

Zum wiederholten male haben wir uns mit dem Wohnmobil und useren custommade Bike Friday Tikit Falträdern aufgemacht, um Bella Italia zu erkunden. Eine ideale Kombination, um grosse Strecken zu überbrücken und vor Ort trotzdem sehr flexibel zu sein. Dabei sind Radstrecken von über 50km mit den Tikits kein Problem. Gerade bei Stadtbesichtigungen ist es perfekt, weit ausserhalb zu campieren und Erkundungen mit den Falträdern zu machen. Dazwischen Pizza, Gelato und Espresso an der Bar, ach ist das herrlich...

Liegerad WM Leer, Juni 2013

Nach der EM 2009 (die ich in meiner Klasse gewonnen habe ;-) ), hat sich der HPV Deutschland das ganz grosse Ziel vorgenommen und eine WM veranstaltet. Wie gehabt in toller Zusammenarbeit mit der Stadt, die auch einen spannenden Rennkurs im Zentrum zur Verfügung gestellt hat. Aus sportlicher Sicht würde ich am liebsten gar nichts drüber schreiben. War der erste Tag noch ganz erfolgreich mit Plätzen unter den top 5, musste ich am Sonntag bei den 100km ordentlich Federn lassen. Satz mit x kann ich da nur sagen. Zuviel Arbeit und zu wenig Training können natürlich auch nicht wirklich zum Erfolg führen. Trotzdem war es wieder eine schöne Zeit unter bekannten Gesichtern mit viel Spaß, tollen Rennen und schönen Erinnerungen. Bilder gibt´s leider nur eines von unserem italienischen hpv Freund Giovanni Eupani, selbst hatte ich leider niemanden zum Knipsen dabei. Da sah ich noch ganz frisch aus. 3 Stunden später hätten sie mich nicht mehr sehen wollen...

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Liegerad WM Fowlmead Park, Deal, Südengland, Juni 2012

Obwohl man als Radhändler im Juni eigentlich weder Zeit für Urlaub noch Zeit für viel Training findet, wollte ich in Südengland unbedingt dabei sein. Schliesslich war ich im Jahr davor in Monza Weltmeister geworden, also Titelverteidiger und ausserdem hatten die HPV Freunde von der Insel einfach verdient, daß auch wir mal bei ihnen vorbeischauen und nicht immer nur umgekehrt
Ich bin wie gehabt mit dem Frosch Birk Comet in der TV (teilverkleidete Räder) Klasse gestartet. Alle 3 Erstplazierten des letzten Jahres waren wieder dabei. Hier mein kurzer der Abriss der Renntage

Freitag Abend, 100m fliegend :

Fanden nicht statt. Es war besonders am Freitag extrem windig, wenn auch trocken. Ich hatte daher schon für mich entschlossen, sowieso nicht zu starten. Bei Böen bis etwa 70-80km/h (Vorhersage waren sogar 100km/h) war mir das zu happig, zumal man genau an der schnellsten Stelle aus dem Windschatten von Bäumen heraus in verwirbelten Seitenwind gefahren wäre. Daher hat man sich entschlossen, eine schnelle, verkürzte Bahnrunde mit stehendem Start zu fahren. Das hab ich erst kapiert, als sich alle schon brav zum Start aufgereiht hatten. Hätte ich mal in´s Rennbüro geschaut... Kenn ich ja von anderen Veranstaltungen. Dort gibt´s i.d.R all die Infos. Nicht warm gefahren, ohne Streckenkenntnis...Na ja, eine Siegfahrt konnte das so nicht werden. Renndauer etwa 90 Sekunden auf kurviger, sehr schöner Runde mit dann doch über 50er Schnitt. Platz 3 TV

Samstag

Schnellste Bahnrunde EZF
Weiterhin sehr unangenehm windig und auf der kurvenreichen, anspruchsvollen Strecke durchaus nicht ohne zu fahren.
Ich hatte verschlafen (ja, die Wochen vorher im Geschäft und die über 1000km Anreise waren doch etwas anstrengend gewesen) und bin erst 10min vor Rennstart aus den Federn. Etwas müde, wieder ohne grosse Vorbereitung und zusätzlich leichtes allergisches Asthma ab Hälfte der gut 3km langen, grossen Runde. Platz fünf glaube ich. Hat mich nicht weiter gestört, denn ich hatte ob des Stresses im Vorfeld eh schon abgeschlossen mit einem Sieg.

1 Stunde EZF
Der Klassiker sozusagen. Hat richtig Spaß gemacht auf der schönen Strecke. Der Wind hat immer noch etwas genervt, aber doch deutlich nachgelassen. Wie bisher kein Regen, sogar etwas Sonne. Wieder 3. TV

Sonntag

Bilderbuchwetter mit Wolken und Sonne im Wechsel, etwa 20 Grad, trocken, wenig Wind. 2h Kriterium standen an, aufgeteilt in 2 Rennen (langsame Gruppe, schnelle Gruppe). Da für Nachmittag Regen angesagt war, hat man die schnellere Gruppe und VV vorgezogen. Eine durchaus sinnvolle Entscheidung, auch wenn der angesagte Regen dann doch erst nach den beiden Rennen kam.
Das Rennen verlief in den ersten 30min eher hektisch. An der Spitze der TV/UV hatte sich ein etwa 10 Fahrer starker Zug gebildet mit vielen Sprinteinlagen und Führungswechseln. Nach einer Stunde hatte sich das dann endlich beruhigt und es wurde Tempo rausgenommen. Diese Ruhe hat dann Sandro Bollina gut genutzt und ist Solo hinter einer überholenden VV davongezogen und ward nicht mehr gesehen. Der ganze Rest der Siegaspiranten blieb zusammen bis 1km vor Schluß. Keiner wollte den Sprint anziehen und es wurde eher taktisch gebummelt. Somit hab ich es gewagt und den Sprint als erster angezogen. In der TV konnte mich nur noch Geoffroy Lelievre kurz vor der Ziellinie abfangen. Also wieder 3.Platz. War ein schönes Rennen mit durchgehend Windschattenfahren und Taktikspielereien.
Letztendlich haben die 3 Vorjahressieger der TV einfach rotiert. Im Endergebnis kam ich auf 3, Sandro Bollina auf 2 und Geoffroy Lelievre auf 1.

Soweit der kurze Abriss über meine Rennen.
Die in einen Landschaftspark integrierte Radstrecke war wirklich genial. Schön im Grünen, ausreichend breit, tolle Kurven, leichte Anstiege und Gefälle, guter Belag. Eine flüssig zu fahrende, aber durchaus anspruchsvolle Strecke. Bis auf eine 180 Grad Kurve konnten TV/UV alle Passagen voll nehmen. Max. Speed in der 180 Grad waren bei mir allerdings immer noch 47 km/h. Bei den VV (vollverkleidete Räder) haben die Briten gezeigt, daß sie sowas kennen und mögen. War wirklich schön anzusehen.

Neben den Rennen waren es aber vor allem diverse andere Eindrücke, die unsere Reise zum Erlebnis machten, zum Beispiel :

- die super motivierte Truppe von ICE. Sie brachten zusammen mit der halben Firma ca. 10 Leute an den Start. Teilweise waren hier sehr schön verfeinerte Trikes zu sehen. Tim Parker (Sohn des ICE Chefs) bekam eine sehr schicke VV für sein Trike geschnitzt und gewann damit souverän den Juniorentitel.

- Mike Burrows. Er hat wieder mal ein sehr interessantes Rad gebaut mit gelenkter Vorderradnabe. Aber was mich wirklich von den Socken haut: Mike ist 69 Jahre alt und konnte bis zum Schluss des 2 Stunden Rennens das Tempo der TV/UV Spitze mitgehen Rrrrespekt, das gibt mir Hoffnung für die Zukunft...

- Von Steven Slade persönlich die Runde des ersten Rennens erklärt zu bekommen. Da merkt man erst, wie detailliert er jeden Meter der Strecke im Kopf parat hat. Er weiss auch genau an welcher Stelle der Wind von wo kommt und auf welcher Linie er die Kurven anfährt

- Das England Spiel in einem Britischen Pub ansehen bei einem Strongbow oder auch Zweien...

- Und dann war da noch Clive. Er war einfach mal so mit seinen historischen Moultons vorbeigekommen, um sie den Leuten zu zeigen und hatte auch kein Problem, mich mit einem seiner wertvollen Stücke aus den 60ern eine Runde fahren zu lassen. Muß schon sagen, viel besser laufen vergleichbare Räder heute auch nicht...

- Und überhaupt, die Landschaft in Kent ist wunderschön, die Steilküste ebenfalls. Und die Leute sind offen und freundlich. Das ist schon eine Reise wert...

In der Summe ein spannendes Wochenende. Viel gesehen, viel erlebt, viel Spaß gehabt.
Und hier noch einige Bilder:


 
Weltmeistertitel in Monza, Italien, 2011

Wieder mal stand eine Liegerad WM in´s Haus. Und zwar endlich mal im Süden, in Bella Italia. Und auch hier nicht irgendwo, sondern in Monza. Ja genau, das Monza mit der berühmten Formel 1 Strecke. Da mal mit dem Rad fahren zu dürfen ist schon für sich etwas ganz besonderes. Also, Sachen gepackt und ab über die Berge in die Sonne.

Meine Motivation war schlicht jene, mal auf dieser berühmten Strecke mit dem Rad zu fahren. Das war schon genial. Und immer wieder beeindruckend, wie eng so manche Schikanen sind oder auch die berühmte Parabolica. Dass man da tatsächlich mit einem Formel 1 das Gas stehen lassen kann, unglaublich...Jedenfalls wurde diese Erwartung schon mal befriedigt. Der Campingplatz direkt an der Strecke war ebenfalls recht schön, wie überhaupt die ganze Location. Die Rennstrecke liegt mitten in einem sehr grossen Landschaftspark, ähnlich dem Englischen Garten in München. Ist schon irgendwie interessant, da mitten rein eine fast 6km lange Rennstrecke zu bauen.

Zum Sportlichen: Erwartet habe ich mir eigentlich wenig, denn ich hatte nicht gut trainiert und war völlig überarbeitet angereist. Dabeisein war das Motto und nachdem sich grosse Namen wie Thomas Schott oder Hans Wessels in der TV Klasse angekündigt hatten, waren meine Ambitionen auf vordere Plätze eigentlich schon erledigt...nur überrunden lassen wollte ich mich nicht.

Hier meine Rennen aus Sicht der Teilverkleideten Klasse:
Tag 1

Schnellste Bahnrunde

Gleich in der ersten Schikane (max. mit 40 zu fahren) wurde ich von der vor mir gestarteten Ellen van Vugt, die wohl Probleme in der Varna hatte, von der Ideallinie gescheucht und musste von unter 35km/h wieder hochbeschleunigen. Umso grösser war dann am Ende meine Überraschung, als mir Leute plötzlich zum Sieg gratulierten. Hatte ich doch glatt das 1. Rennen in der TV gewonnen.

1000m stehender Start

Recht spät am Abend, schon deutlich in der Dämmerung, gab´s die 1000m. Jetzt war ich natürlich schon etwas motivierter. Einmal die Start-Ziel Gerade langgepresst und das gibt´s doch nicht, schon wieder gewonnen. Das war natürlich ein absolut überraschender erster Tag für mich und meine ürsprünglich ganz lockere Haltung wurde langsam nicht mehr so entspannt. Ich war mir aber sicher, dass Thomas, Hans und die anderen Schweizer in ihren Birks (insg. waren immerhin 8 Räder aus dem Hause Birkenstock am Start) bei den längeren Strecken gnadenlos zuschlagen würden...

Tag 2

200m Sprint

Ausgetragen auf einer Geraden im Innenfeld des alten Rennovals auf doch recht rumpeligen Belag und vor allem faktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nicht gut für die Streamliner, für Hecks gerade ausreichend zum Beschleunigen. Immerhin 65km/h Schnitt und nur um 0,2km/h vom Schweizer Viktor Leitsoni geschlagen wurde ich hier 2ter. Viktor hatte mir schon in Tilburg den Titel vor der Nase weggeschnappt, aber das konnte mich wenig ärgern nach den 2 Siegen am Vortag...

3 Stunden Kriterium

Aus meiner Sicht das Highlight des Wochenendes. So ein Massenstart mit Windschattenfahren in der Gruppe hat schon was. Für Fahrer wie Zuschauer. Meine Taktik war recht einfach: So lange es geht mit vollem Risiko von Anfang an an der Spitzengruppe dranbleiben. Für die erste Stunde war diese Spitze fast ausschliesslich Hans Wessels, gefolgt von einem Rattenschwanz von 15-20 Fahrern. Unglaublich, was dieser dürre, lange Kerl aus Holland vorne im Wind leisten kann. Die erste Stunde wurde in einem für mich horrendem Tempo mit fast 50er Schnitt gefahren. Das konnte doch nicht noch 2 Stunden so weiter gehen... Das dachte sich dann auch Hans, der sich nach eigener Aussage sehr gewundert hat, daß doch einige so lange an ihm dranbleiben konnten, und er liess sich zurückfallen. Sofort wurde das Tempo etwas langsamer und fortan wechselte auch regelmässig die Führung. Langsam zerbröselte die Gruppe aus TV und den besten UV, bis nur noch etwa 5 Leute übrig waren. Immer wieder gab es Ausreissversuche, war also nix mit ruhigem Fahren. Hans hatte zwischenzeitlich einen Angriff im Windschatten eines VV von hinten gestartet, den alle übersehen hatten und weg war er. Somit war der 1. Platz vergeben. Letztendlich stritt ich mich dann mit Sandro Bollina (ehemals VV Fahrer, jetzt auf Jürg Birkenstocks Comet unterwegs) um den 2. Platz. Ich hatte mir für die letzte Runde eine gute Taktik zurechtgelegt und 2km vor dem Ziel konnte ich davonsprinten und kam nach 3h1min30s über die Ziellinie, erleichtert die karierte Flagge erwartend. Aber was war das, es wurde zur letzten Runde gebimmelt und somit hatte ich das Spiel verloren. Völlig vom Sprint ausgepowert verlor ich den 2. Platz wieder an Sandro und wurde 3. Naja, das sind halt die kleinen Unwägbarkeiten bei den HPVlern. Nach erstem Ärger konnte ich das auch so hinnehmen. Letztendlich kann sowas allerdings auch über den Titel entscheiden. Zumindest wurde ich auch hier nicht überrundet, nichtmal von Thomas Schott (hatte aufgegeben) oder Hans Wessels. Mein Grinsen wurde wieder etwas breiter... Letztendlich waren es über 46km/h Schnitt über 3 Stunden. Das schnellste Rennen, das ich je gefahren bin. Und auch das Härteste, ich war am Ende und voller Sorge, ob ich an Tag 3 noch eine Stunde fahren könne.

Tag 3

50m DragRace

Man kann drüber streiten, ob das bei einer WM sein muß. Letztendlich waren fast alle am Start zum Punktesammeln und eigentlich war es recht spassig. 5. Gesamtplatz nach dem ersten Versuch, daher habe ich mir den 2. gleich erspart. Letztendlich wurde ich hier gesamt 10. und wieder 2. bei den TV. Rausgekickt wurde ich in der Endrunde der besten 16 übrigens von einem selbstgebauten Holzrad mit 16kg. Lowtech schlägt Hightech, wieder mal eine spassige Erfahrung.

1 Stunde Zeitfahren

Ja, das würde ich jetzt wohl auch noch schaffen, nur wie. Aus der Erfahrung heraus kann man sich da aber beruhigen, denn natürlich sind auch alle anderen Fahrer ebenfalls schon recht alle. Jedenfalls wurde mir langsam klar, daß ich mir hier mit einem Resultat unter den 1. fünf meiner Klasse den TV Titel sichern konnte. Also doch nochmal alles geben. Was dann dabei rauskam, fühlte sich recht erbärmlich an und sah auf der leicht ansteigenden Start-Ziel warsch. auch so aus. Ein 45 er Schnitt reichte dann noch für den 4. Platz. Thomas hat wieder aufgegeben, Hans fuhr 48. Hmm, ob´s gereicht hat ? Im Ziel kamen mir dann schon die ersten ausgestreckten Hände zum Gratulieren entgegen, etwas später bestätigte die Rangliste dann tatsächlich das völlig Unerwartete: Ich bin Weltmeister der TV Klasse vor Geoffrey Lelievre (Zockra) und Sandro Bollina (Birk Comet). Ups, da war ich wohl selbst am meisten überrascht. In der Gesamtabrechnung aller Klassen wurde ich bester nicht VV. Somit gingen 3 tolle Tage mit spannenden Rennen und vielen netten Freunden und neuen Gesichtern zu Ende.

Nach dem EM Titel 2009 darf ich mich nun auch Weltmeister nennen. Jjjja, fühlt sich wirklich ganz gut an...

Ciao, Andreas

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