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Traumvelo-Spezialräder
Inhaber Andreas Seilinger
Schwillacher Straße 2a
85570 Ottenhofen
Tel.: 0 81 21 – 6 16 29
Fax: 0 81 21 – 43 71 84

andreas@traumvelo.de

USt-ID: DE 186 875 030
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Bericht von Monika Kuhn

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Frau Kuhn hat uns die Schreibarbeit abgenommen. Danke für den tollen Text:

„Traumvelo, ja das hab ich! So was Tolles hatte ich noch nie!


Vor 41 Jahren bin ich beim Ski fahren verunglückt (partieller Querschnitt bei L1, seither gehe ich mit zwei Stöcken), konnte jedoch seit Anfang der 70er Jahre, als die Klappräder aufkamen, wieder Fahrrad fahren. Der tief einstellbare Sattel machte es möglich, da ich zum Starten und Absteigen mit den Füßen flach auf den Boden kam. Seither bin ich leidenschaftlich gern Fahrrad gefahren, hab mich auch in den Modellen immer verbessert.


In den letzten Jahren – jetzt bin ich 59 – nahmen meine „Umfaller“ gewaltig zu, auch die Unsicherheit bei jedem Absteigen oder Hindernis (Fußgänger, kleine Kinder, Hunde, plötzlich aus Parklücken fahrende Autos, Kreuzungen, Ampeln etc). Die Anspannung wuchs derart, daß ich keine Freude mehr am Fahrrad fahren hatte. Bei jedem noch so leichten Hügel geriet ich schon in Panik, denn ich „musste“ die Steigung schaffen, denn erschöpft absteigen bedeutete mit Sicherheit einen Sturz, schieben war sowieso mühsam.


So bin ich im letzten Jahr nach einem schweren „vernünftigen“ Entschluss auf ein Dreirad umgestiegen. Es war sicher das Feinste, was man sich denken konnte: An einen üblichen Fahrradrahmen wurde nur hinten ein Dreiradteil montiert, ausgestattet mit allem, was die Technik zu bieten hatte, dabei noch extrem leicht. Also keins dieser unendlich schweren Dinger von der Behindertenräder-Stange aus dem Sanitätshaus, die ich für eine Zumutung halte. Die Umgewöhnung war zwar zu Anfang mühsam, ging dann aber ganz gut. Nach einem halben Jahr lernte ich den Komfort der Sicherheit sehr schätzen. Doch die körperlichen Probleme beim Dreirad fahren wurden nicht weniger. Durch die Schrägstellung der Räder auf der Straße, die ja immer nach rechts leicht abschüssig ist, muss man das Gleichgewicht mit dem Oberkörper ausgleichen, massive Rückenverspannungen, Halswirbelsäulenschmerzen, Schmerzen in den sowieso schon vorgeschädigten Handgelenken machten das Fahren ausgesprochen mühsam. Dies änderte sich auch bei größerer Übung nicht.

Steigt man vom normalen Fahrrad um, ist diese Art, sich zu bewegen, ein herber Verlust. Ich habe immer empfunden, es ist kein Fahrrad fahren, es ist mühsame körperliche Bewegung an frischer Luft, vom fehlenden Geschwindigkeits- und Leichtigkeitsgefühl ganz zu schweigen! Es ist, wie wenn man von einem Golf auf einen Traktor umsteigt. Hinzu kam, daß ich mich trotz Fellsattel innerhalb 30 Minuten Radeln an den empfindlichen Weichteilen durchgeradelt hatte.

 

In dieser Not schaltete sich die Fügung ein – das ist eine andere Geschichte – und bescherte mir das „rote Kärrele“, ein Liegedreirad von Anthrotech (www.anthrotech.de), das ich bei Andreas Seilinger, www.traumvelo.de, aus Ottenhofen bei München bekam, dessen kompetente, sorgfältige Beratung ich nur empfehlen kann.


Seither bin ich nur am Radeln und Schwärmen: Ich sitze bequem, bequemer geht’s nicht, die Beine bewegen sich in gerader Linie von der Hüfte -> Knie -> Füße, diese sind abrutschsicher in den Pedalen mit einem Klettband fixiert. Ich schalte mit meiner Nabenschaltung von Rohloff wie Butter auch von schweren Gängen sofort in ganz leichte Gänge. Das ist für mich deshalb so unglaublich wichtig, denn ich konnte mit der besten Kettenschaltung nie rasch genug runter schalten, wenn es notwendig war.


Beispiel: Eine Fahrradunterführung unter der Bahn oder einer Straße: da will ich beim Abwärtsfahren den Schwung so gut wie möglich ausnutzen, gehe also in die schwerst möglichen Gänge, auf der anderen Seite geht es wieder hoch. Ich mit meinen schwachen Beinmuskeln muß schon in den leichtesten Gang kommen, um eine solche Steigung sicher zu bewältigen. Das schafft keine Kettenschaltung, für die Rohloff kein Problem. Ich schalte im Zweier-/Dreiertakt bequem runter, dabei ist ein absolut gleichmäßiges Fahren möglich. Schon bin ich oben, kein Schwitzen, keine Panik, absolut entspannte Situation.

Das neue Fahrrad besitze ich erst seit Ende November. In der Zwischenzeit habe ich alle Strecken, die ich in jungen Jahren mit meinem Fahrrad bewältigt habe, wieder geschafft, noch mehr, ich bin dabei, mir einige neue Strecken zu erobern, weniger was die Entfernung angeht, sondern mehr die Steigungen, dies eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Ich kann für mich bisher unerreichbare Hügel erklimmen, bleibe auf der Hälfte stehen, ruhe mich in meinem bequemen Sessel aus, und starte problemlos neu (das war übrigens mit dem herkömmlichen Dreirad nicht möglich, ich hab es nicht geschafft, nach einer Pause an einer Steigung wieder „in den Tritt“ zu kommen). Nicht immer kommt jemand vorbei, der einen bereitwillig hoch schiebt, bis man es wieder selber kann.


Auf dem großen Gepäckträger habe ich eine Eurobox – natürlich rot – die genau drauf passt. In der ist alles mögliche drin, das ich von meinem Sitz gut erreichen kann, wenn ich mich umdrehe: meine Klappstöcke, mein rotes Blechtablett für das Picknick (Cappuccino in der Thermoskanne, immer was Süßes), Handschuhe, usw.


Ganz was Neues ist für mich die Möglichkeit, zum Schwimmen im See zu fahren: ich fahre mit dem Kärrele ans Wasser, wenn es ein Geländer zum Reingehen hat umso besser, kann mich im Sitzen aus- und anziehen und mich beim Abtrocknen ans feststehende Kärrele anlehnen.


Zum Transport: Ich hatte mir für mein erstes Dreirad einen Kangoo von Renault gekauft, weil ich unbedingt das Rad mit dem Auto allein an andere Ausgangspunkte transportieren wollte. Dafür brauchte ich auch Schienen. Das ist jetzt überhaupt nicht mehr notwendig. Das Rad ist so leicht zu manövrieren, daß ich es allein ein und ausladen kann. Ich helfe mir mit einem Klappstuhl, auf den ich mich setze. Meist lasse ich mir jedoch von Passanten helfen, was völlig problemlos geht; selbst ältere Damen sind mit Feuereifer dabei.

Ich will auch die Nachteile nicht verschweigen: Man muss sehr sorgfältig den übrigen Verkehr im Auge haben, da man leicht übersehen wird, vor allem dann, wenn der Autofahrer mit speziellen Manövern abgelenkt wird, z. B. beim Einparken plötzlich zurück stößt und nicht mehr daran denkt, daß er mich ja gerade überholt hat. Ich stehe hinter ihm, kann nicht weg, kann auch nicht aufspringen. Hierfür werde ich mir noch eine wirksame Hupe anschaffen.


Ein anderer Nachteil ist sicher, wenn man plötzlich in eine Matschstelle kommt, was ja nicht unbedingt zu vermeiden ist. Beim normalen Fahrrad kann ich absteigen und es durchschieben, wie mir das mit dem „roten Kärrele“ gelingen soll, ist mir noch ein Rätsel. Ebenso bei Steigungen, die letztlich dann doch für mich zuviel sind. Allerdings sind die Passanten, denen man so begegnet und die neugierig, interessiert schauen, von sich aus oft bereit, einen ein Stück hoch zu schieben, wenn sie meinen, das wäre eine Erleichterung. Bisher konnte ich immer sagen, danke, ich schaffe es selber! Noch ist die Devise: einsame Wüstenstrecken vermeiden!


Noch nie war es mir möglich, mich im Winter bei (fast) jedem Wetter 2 bis 3 Stunden draußen aufzuhalten. So lange laufen kann ich nicht mehr, außerdem ist es oft rutschig, unangenehm. Mit meinem optimalen Outfit bin ich am ganzen Körper wunderbar warm, nur die Füße kühlen furchtbar aus, das Problem ist noch nicht gelöst, ich bin jedoch dabei.


Ich wähle Teerwege, bewege mich mit dem „roten Kärrele“ auf eine sanfte Weise, bin weder angestrengt noch durchgeschwitzt, stehe nach einer Tour auf und mir tut nichts weh! Das hab ich noch nie erlebt.


Noch ein überraschendes Geschenk für mich als Beamtin und somit Beihilfeberechtige: Mit einem Rezept, auf dem steht: „Behindertendreirad zur Therapie“ bekommt man seit dem 1.4.2003 nach Abzug von 300 € Selbstbeteiligung 70 % erstattet.“

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